28. Juni 2012

Der Preis ist heiß


© Martin Rügner/Westend61
Kürzlich hat mich Florian Küttler angeschrieben, der einen Blog für junge Fotografen betreibt. Ob er das Interview mit Klaus Mellenthin dort veröffentlichen dürfe? Natürlich durfte er das und gestern hat er das Interview dort online gestellt. Ich habe es mir angesehen und dann einen Kommentar von einer Leserin entdeckt, der mir mal wieder demonstriert hat, wie wenig Ahnung viele Fotografen von Macrostock und der Idee dahinter haben. Ich zitiere:

„ich selbst beliefere Mikrostockagenturen und staune, zu welchen Preisen Makrostockagenturen noch Bilder anbieten können....“


Ihr würde ich am liebsten zurufen: Staune nicht, sondern öffne Deine Augen und sehe! Was Microstockfotografen nicht begreifen ist, dass sie ihre Bilder komplett entwerten. Ja, es ist richtig, der Blogger oder der Bäcker von nebenan können hohe Preise nicht bezahlen (nur ein Großbäcker, s. hier). Für sie ist Microstock ein perfektes Geschäftsmodell. Aber es gibt auch andere Kunden. DAX Konzerne zum Beispiel, größere Unternehmen, die hohe Werbeetats haben. Die bereit sind, Millionen in Werbekampagnen zu stecken. Oder Zeitschriften, deren Zielpublikum Wert auf gute Bilder legt und die von guten Fotografien profitieren, indem sie sie damit höhere Auflagen erzielen.

Was macht der Microstocker? Er bietet dem armen Blogger aus der Nachbarschaft das Bild zum gleichen Preis an wie dem DAX Konzern oder dem Großverlag. Gleiche Bildrechte für alle. Klingt nobel, ist aber leider ein absolut unintelligentes System.

Als Beispiel an dieser Stelle eine Preiskalkulation für einen Konzern mit einer großen Werbekampagne, wenn er sich für ein lizenzpflichtiges Bild entscheidet. Nehmen wir an, er braucht 5000 Großplakate, einen Titel für eine DIN A5 Broschüre in einer Auflage von einer Million, eine halbseitige Anzeige für Zeitungen und Zeitschriften mit 10 Millionen Auflage und einen Internetauftritt. Dann kommen wir nach der Bildhonorarliste der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) zu folgenden Preisen :

Großplakat: 4055 Euro
Broschüre: 1140 Euro
Anzeige: 1840 Euro
Web: 465 Euro

Es ergibt sich ein Gesamtbetrag von genau 7500 Euro. Wahnsinn wird sich der Microstocker jetzt wieder denken, das zahlt doch keiner. Nein? Also, erstens entstehen dem Kunden bei einer in Auftrag gegebenen Produktion meistens mehr Kosten. Zweitens wären das bei einer Kampagne, die zwei Millionen Euro kostet, nur 0,3 Prozent des Gesamtvolumens. Zum dritten gewinnt der Bildkäufer viele zusätzliche Kunden, wenn das Bild funktioniert. Er hat das perfekte Bild für sein Unternehmen, mit dem er einen hohen Mehrwert generiert, weshalb er mehr bezahlen muss als ein kleiner Blogger, dessen Artikel sich 100 Leute durchlesen und der damit kein Geld verdient. Das ist ganz einfach gesagt ein gerechtes System. In Microstock kauft der Konzern eine erweiterte Lizenz für 100 Euro und fertig. Zugegebenermaßen muss er bei uns auch nur 529 Euro ausgeben, wenn er sich für ein RF Bild entscheidet, schon das ist extrem günstig, billig, fast hinterhergeworfen. Aber nein, Microstockfotografen sprechen sogar hier von ultrahohen Preisen und scheren sich nicht darum, wer die Bilder kauft. Weil sich hohe Preise angeblich nicht rechtfertigen lassen, die es 70 Jahre lang gab, bevor iStock und Co. den Platz betraten. Bevor Yuri Arcurs und Co. kurzfristig davon profitiert und hunderttausenden Fotografen Sand in die Augen gestreut haben.

Macrostockagenturen sind nicht von gestern, sondern verlangen nichts weiter gerechte Preise. Sie verleihen den Bildern einen Wert und stempeln sie nicht zur beliebig reproduzierbaren Massenware ab.

Ich will kein Microstockbashing betreiben. Ich habe Respekt vor den Fotografen, die viel ackern, dort mitmachen und ein gutes Einkommen erzielen. Weil sie gute Fotografen sind, die den Markt studieren und Unternehmerpersönlichkeit entwickeln. Weil sie vielleicht Einkommensverluste mit Microstock abfangen, die ihnen ausgerechnet Microstock vorher beschert hat und ihre Familien ernähren müssen. Ich kann das gut verstehen und habe sogar Sympathien dafür, kleinen Läden, Existenzgründern, Bloggern, kleinen Webseitenbetreibern usw. Bilder günstig zu verkaufen. Denen sind unsere Bildpreise in der Tat nicht zuzumuten.

Aber ich verfolge mit Erstaunen, wie viele Fotografen mittlerweile sehr hochwertige Fotografien bei Microstock anbieten und sich langfristig selbst das Wasser abgraben, weil immer mehr gute billige Bilder zwangsläufig zu sinkenden Einnahmen für die einzelnen Marktteilnehmer führen werden. Auch bei denen, die heute ganz gut verkaufen. Ich wundere mich darüber, warum diese Fotografen sich darüber beschweren, dass sie nicht wertgeschätzt werden, wenn gewisse Agenturen ihnen die Prozente zusammenkürzen, sie aber selbst durch die Teilnahme an diesem Markt ihre Bilder für einen Euro anbieten, mehr oder weniger verschenken und damit entwerten. Denen aber durch die Abhängigkeit, in die sie sich begeben haben, nur das Meckern bleibt. Und ich wundere mich über das geringe und verloren gegangene Gespür für gerechte Preise.

Aber vielleicht bin ich ja einfach nur out und ein verlorener Mahner in der Wüste, wer weiß?

Kommentare:

  1. Hallo,

    schön, dass Dich der Kommentar zu dem (sehr emotionalen ;-)) Artikel inspiriert hat.

    Da sich medial momentan wahnsinnig viel um das Microstocking dreht, scheint der Macrosektor tatsächlich kaum wahrgenommen zu werden. Dadurch entstehen natürlich Intransparenzen und Unsicherheiten (was für mich bestimmt auch gilt).
    Ich bin mir aber sicher, dass durch Eure Beiträge und vielleicht auch generell mehr Präsenz sich was bewegen kann.
    Gerade Berichte über aktuelle Trends, Konzeptionen, Locationscouting, Tips zu technischen Aspekten bei der redaktionellen Auslese oder die Vorstellung erfolgreicher Serien, kommen bestimmt gut an und schaffen ein Gespür für die Unterschiede.

    Meine Aufmerksamkeit habt Ihr :)

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  2. Danke für Deine Worte und schön, dass wir Deine Aufmerksamkeit haben. Du darfst auch gerne weitererzählen, dass es diesen Blog hier gibt. Genauso ist er gedacht. Als Informationsquelle zu Macrostock, auch wenn er vielleicht nur der Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber wer weiß...

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  3. Microstock ist tatsächlich ein Trendthema, was auch von der Bildzeitung und anderen Medien immer wieder mal aufgegriffen wird. Es wird so dargestellt, als ob man mit kleinem Aufwand reich werden könnte. Stimmt natürlich nicht.
    Ich denke Aufklärung, was das Geschäftsmodell Makrostock ausmacht ist ein wichtiger Schritt. Allerdings wird man die Leute, die den Microstockverkäufen einen hohen emotionalen Wert beimessen wohl nicht so einfach einfangen können…

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  4. Diejenigen, die diesen Verkäufen einen hohen emotionalen Wert beimessen sind eher die Amateure denke ich. Die Profis wollen Geld sehen und denen geht es weniger um die Anzahl der Verkäufe, sondern um den Lohn am Ende des Monats. Für einige ist das sicher attraktiv, aber das hat seinen Preis. Kurzfristig müssen sie ackern wie die Verrückten, um ständig zu liefern und in den Rankings nicht herunter zu fallen. Langfristig werden sie Einkommen verlieren, weil bei stabiler Nachfrage das erhöhte Angebot zu sinkenden Preisen führt bzw. der einzelne Fotograf weniger Bilder verkaufen wird und damit weniger verdient. Wir werden sehen, was dann passiert. Revolution?? :-)

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  5. Richtig - aber man darf die Amateure glaub ich nicht unterschätzen… Gibt es eine Statistik, wieviele mit Microstock professionell Geld verdienen?

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  6. Neben den 2%, die von der Microstockfotografie leben können, verdienen in erster Linie die Agenturen und die Investoren. Und das auf Kosten der Fotografen, die sich redlich Mühe geben, ordentliches Material abzuliefern und dabei auch schon mal den ein oder anderen Euro versenken. Geschäftlich kann Microstock für den Großteil der Fotografen keine Option sein, weil eben in erster Linie nur Geld verbrannt wird. Zudem werden, wie Gerald Stauffer treffend feststellt, Fotos entwertet. Da nützt auch ein Schönreden nach dem Motto "Ich verdiene halt an vielen Lizensierungen eines Bildes" nichts. Dass ist und bleibt Augenwischerei und das Auskommen für die breite Masse ein großer Traum. Es gibt viele Bereiche, wo Ähnliches vorexerziert wurde. Immer wieder fallen genug auf solche Machenschaften herein, um anderen ein gutes Auskommen zu ermöglichen. Ob ich den Kampf der Supermärkte nehme, die sich bei Elektronikartikeln die Preise zum Leidwesen der örtlichen Händler um die Ohren hauen oder die Milchbauern, die für 20 Cent einen Liter Milch liefern dürfen, damit aber nicht einmal kostendeckend arbeiten können. Nicht alles ist zwar direkt vergleichbar, zeigt aber die Tendenz, dass sich einige Wenige auf Kosten Vieler die Taschen füllen. Und noch etwas: Macrostock-agenturen, ich nenne das lieber klassiche Fotoagenturen, waren nie zu teuer. Die Bildpreise waren angemessen und ermöglichen / ermöglichten sowohl den Agenturen, als auch den Fotografen vernünftig zu leben. Der Kunde hat immer, und das ist auch heute noch so, einen entsprechenden Gegenwert erhalten. Zugegeben, vor 20 Jahren haben Fotografen vorwiegend ihre Zweitschüsse über Agenturen vermarktet. Dass ist heute in der Regel anders und die Qualität oft deutlich besser. Und wer tatsächlich glaubt, emotionale Werte seien ein Geschäftsmodell, dem sei gesagt: Wenn ich Emotionen verkaufe, ist das richtig. Wenn Emotionen jedoch der Lohn der Arbeit sind, ist das eben falsch.

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  7. Was ich mich immer Frage ist ..... wenn es feste rf Preise gibt ....warum hält sich kaum einer dran wenn es in Richtung redaktionell geht ?
    Es wird immer gesagt Redaktionen haben kein Geld etc. aber wenn ich sehe was eine Anzeigenseite in einer Zeitschrift sehe kann ich das kaum nachvollziehen .

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    1. Üblicherweise werden den Redaktionen die RF Bilder zu RM Preisen angeboten, was Sinn macht. In der Regel sind RM Verwendungen für Zeitschriften und Zeitungen wesentlich günstiger, keiner zahlt 369 Euro für etwas, das er für 70 Euro in RM bekommen kann. Deshalb erlauben wir die einmalige Nutzung eines RF Bildes zu RM Konditionen.

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  8. Passend zum Thema hat Alamy erst kürzlich ein lesenswertes White Paper über Bildpreise und Lizenzmodelle veröffentlicht:
    http://www.alamy.com/images/press-releases/2012/round-table-report/Alamy-white-paper.pdf

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    1. Ich habe es heute gelesen und mit diesem Kommentar nimmst Du mir glatt einen Artikel weg :-) Nein, guter Tip, das Thema Preise wird uns noch lange beschäftigen.

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  9. Ich habe selbst letztes Jahr noch einen Verkauf erlebt der mal eben 6000 Euro gebracht hat . Einfaches Strandbild mit Feld in der Brandung .

    Zudem bin ich ganz fest davon überzeugt das Material was im micro im Überfluss gibt und weil es micro ist zudem eine billige Note hat durch die Massen an schlechten Fotos das die gleichen Fotos wenn sie qualitativ ok sind sich im macro mal eben für 200 - 400 Euro verkaufen bei einem Verkauf . Es gibt halt auch nach wie vor die Kunden die nur bei topagenturen einkaufen bzw. durch 20 Jährige Verbindungen halt nur bei corbis , getty etc. einkaufen nach wie vor . Guter service , private Kontakte wird halt mitbezahlt .

    Was ich mich in letzter Zeit immer wieder frage ist, ob seitens der micros aber auch macros die ganzen Lizenzen überhaupt noch kontrolliert werden (können)... ?

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    1. das fragen wir uns alle. Getty schickt zumindest fleißig Abmahnungen raus. Aber der Bilderklau im Internet ist wohl sehr sehr hoch und da müssen sich alle überlegen, was man unternimmt. Wird im Alamy-Papier angesprochen und ja auch viel im Blog von Robert Kneschke diskutiert.

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  10. eben deshalb auch in den letzen Tagen etwas dezent per mail mal die downloads bei ??? mal besser zu checken . Höre von vielen Seiten das kaum einer wegen kleinen Beträgen klagt wegen zu hohen Gerichtskosten . Da müsst ihr alle mal an einem Strang ziehen .
    Ich habe noch letztens von einer sehr wichtigen Person aus dem business gehört .... mehrere 100000 Euro hat jede Agentur ausstehen ...es wird mit einkalkuliert das Bilder unerlaubt oder mit nicht richtigen Lizenzen benutzt werden . Das darf so nicht sein ...

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    1. wir checken die regelmäßig bei ??? Keine Sorge. Das gehört zum Alltag einer traditionellen Bildagentur.

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