14. Juni 2012

Oh wie war das schön...

Lazi/Mellenthin/Westend61
Wie haben wir uns gestern alle gefreut über den Sieg gegen die Holländer. Wieder mal ein am Ende hart umkämpftes 2:1. Wer weiß, vielleicht der Beginn eines Sommermärchens wie 2006.
Bei der Freude über dieses Ergebnis fiel mir das Sommermärchen von Westend61 ein, das im Juli 2005 begann. Ich kann mich noch gut erinnern, als uns Klaus Mellenthin und Nicola Lazi besuchten, wir an einem warmen Tag im Garten saßen und über eine Zusammenarbeit sprachen. Die beiden schlugen uns vor, eine Produktion zum Thema Fußball einzureichen im Hinblick auf die WM 2006. Sie hätten ein paar Models im Studio gehabt, ihre Gesichter mit verschiedenen Landesflaggen geschminkt und eine ganze Menge Aufnahmen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken wie Jubeln, Trauer usw. gemacht. Ob wir denn daran Interesse hätten? Natürlich wollten wir die Bilder. Nach einer kurzen Recherche im Internet haben wir herausgefunden, dass es so etwas noch nicht gab, waren happy darüber und im November standen etwa 350 Bilder im Netz. Viel zu viele – damals haben wir noch nicht sehr streng editiert, aber egal, sie waren gut. Im Januar 2006 waren die Bilder dann bei Getty zu finden, genau rechtzeitig für Kunden, die Bilder zur WM gesucht haben. Wir waren stolz wie Oskar, denn das waren die einzig vernünftigen Bilder zum Thema auf dem Markt und haben uns auf gute Umsätze gefreut.
Schon zwei Monate später gab es erste Kopien dieser Bilder von einem Fotografen aus Deutschland. Zu finden beim Fotofinder. Das hat mich aufgeregt, aber die Bilder waren schlechter und viel mehr Fotografen haben diese Idee dann in der Kürze der Zeit nicht mehr abgekupfert oder rechtzeitig ins Netz bekommen. Die Bilder haben traumhafte Umsätze erzielt. Umsätze wie sie mittlerweile wohl nicht mehr denkbar wären. Zehntausende von Euro. Oh wie war das schön, unser Sommermärchen!
Wäre das heute noch möglich? Nein. Innerhalb von wenigen Wochen würden die weltweiten Kopierfabriken ähnliche Bilder auf diversen Microstockplattformen verbreiten und viel günstiger anbieten. Es ist wirklich enervierend, wie schnell Bilder heutzutage kopiert werden. An dieser Stelle muss ich wieder einmal Yuri Arcurs zitieren, der in einem Interview mit John Lund meinte, es sei eine Schande, wie viel Diebstahl geistigen Eigentums es in der Bildindustrie gibt. Ich finde sogar, man kann von einer regelrechten Kopierkultur sprechen. Das ist die Schwäche des Internets, in dem alles für jeden sofort sichtbar ist und wodurch sich Fotografen der Ideen anderer Fotografen bedienen können.
Wir kennen alle die Topseller-Themen wie Business, Family und einige andere. Natürlich ist es richtig, sich als Stockfotograf genau diesen Inhalten zu widmen. Aber macht es mit eigenen Ideen, mit dem eigenen Stil. Schießt für Macrostock atmosphärische Bilder, die unsere Kunden lieben. Bedient euch nicht der Ideen anderer, sondern entwickelt selbst welche. Lest Zeitungen oder Wochenzeitschriften, saugt gesellschaftliche Trends auf. Selbstverständlich ist es legitim, sich von Bildern bei Bildagenturen oder in guten Zeitschriften inspirieren lassen, aber nehmt nicht die berühmten Moods als Vorlage, sondern schreibt euch eigene Ideen auf oder skizziert sie vorher mit dem Bleistift auf ein Blatt Papier. Dabei wird etwas eigenes entstehen, etwas unverwechselbares, Bilder, die die Kunden honorieren werden, weil sie einen eigenen Charakter besitzen, einen neuen Aspekt haben und nicht totaler Mainstream sind.
Seid einfach anders, spielt euer eigens Spiel, entwickelt eure eigenen Stärken, eure eigenen Ideen und ihr werdet zu den Siegern gehören!

G. Staufer

1 Kommentar:

  1. Schöner Artikel, besonders der letzte Satz hat es mir angetan. :)

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