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| Lazi/Mellenthin/Westend61 |
Wie haben wir uns gestern alle gefreut
über den Sieg gegen die Holländer. Wieder mal ein am Ende hart
umkämpftes 2:1. Wer weiß, vielleicht der Beginn eines
Sommermärchens wie 2006.
Bei der Freude über dieses Ergebnis
fiel mir das Sommermärchen von Westend61 ein, das im Juli 2005
begann. Ich kann mich noch gut erinnern, als uns Klaus Mellenthin und
Nicola Lazi besuchten, wir an einem warmen Tag im Garten saßen und
über eine Zusammenarbeit sprachen. Die beiden schlugen uns vor, eine
Produktion zum Thema Fußball einzureichen im Hinblick auf die WM
2006. Sie hätten ein paar Models im Studio gehabt, ihre Gesichter
mit verschiedenen Landesflaggen geschminkt und eine ganze Menge
Aufnahmen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken wie Jubeln, Trauer
usw. gemacht. Ob wir denn daran Interesse hätten? Natürlich wollten
wir die Bilder. Nach einer kurzen Recherche im Internet haben wir
herausgefunden, dass es so etwas noch nicht gab, waren happy darüber
und im November standen etwa 350 Bilder im Netz. Viel zu viele –
damals haben wir noch nicht sehr streng editiert, aber egal, sie
waren gut. Im Januar 2006 waren die Bilder dann bei Getty zu finden,
genau rechtzeitig für Kunden, die Bilder zur WM gesucht haben. Wir
waren stolz wie Oskar, denn das waren die einzig vernünftigen Bilder
zum Thema auf dem Markt und haben uns auf gute Umsätze gefreut.
Schon zwei Monate später gab es erste
Kopien dieser Bilder von einem Fotografen aus Deutschland. Zu finden
beim Fotofinder. Das hat mich aufgeregt, aber die Bilder waren
schlechter und viel mehr Fotografen haben diese Idee dann in der
Kürze der Zeit nicht mehr abgekupfert oder rechtzeitig ins Netz
bekommen. Die Bilder haben traumhafte Umsätze erzielt. Umsätze wie
sie mittlerweile wohl nicht mehr denkbar wären. Zehntausende von
Euro. Oh wie war das schön, unser Sommermärchen!
Wäre das heute noch möglich? Nein.
Innerhalb von wenigen Wochen würden die weltweiten Kopierfabriken
ähnliche Bilder auf diversen Microstockplattformen verbreiten und
viel günstiger anbieten. Es ist wirklich
enervierend, wie schnell Bilder heutzutage kopiert werden. An dieser
Stelle muss ich wieder einmal Yuri Arcurs zitieren, der in einem
Interview mit John Lund meinte, es sei eine Schande, wie viel
Diebstahl geistigen Eigentums es in der Bildindustrie gibt. Ich finde
sogar, man kann von einer regelrechten Kopierkultur sprechen. Das ist
die Schwäche des Internets, in dem alles für jeden sofort sichtbar
ist und wodurch sich Fotografen der Ideen anderer Fotografen bedienen
können.
Wir kennen alle die Topseller-Themen
wie Business, Family und einige andere. Natürlich ist es richtig,
sich als Stockfotograf genau diesen Inhalten zu widmen. Aber macht es
mit eigenen Ideen, mit dem eigenen Stil. Schießt für Macrostock
atmosphärische Bilder, die unsere Kunden lieben. Bedient euch nicht
der Ideen anderer, sondern entwickelt selbst welche. Lest Zeitungen
oder Wochenzeitschriften, saugt gesellschaftliche Trends auf.
Selbstverständlich ist es legitim, sich von Bildern bei
Bildagenturen oder in guten Zeitschriften inspirieren lassen, aber
nehmt nicht die berühmten Moods als Vorlage, sondern schreibt euch
eigene Ideen auf oder skizziert sie vorher mit dem Bleistift auf ein
Blatt Papier. Dabei wird etwas eigenes entstehen, etwas
unverwechselbares, Bilder, die die Kunden honorieren werden, weil sie
einen eigenen Charakter besitzen, einen neuen Aspekt haben und nicht
totaler Mainstream sind.
Seid einfach anders, spielt euer eigens
Spiel, entwickelt eure eigenen Stärken, eure eigenen Ideen und ihr werdet
zu den Siegern gehören!
G. Staufer
G. Staufer

Schöner Artikel, besonders der letzte Satz hat es mir angetan. :)
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