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| © Robert Kneschke |
An dieser Stelle werden sich viele fragen, warum der MACROSTOCKblog ausgerechnet einen erfolgreichen Microstocker interviewt. Das ist ganz einfach zu beantworten. Robert ist unabhängig von Micro- oder Macrostock ein Prototyp des erfolgreichen Stockfotografen, der es mit Ausdauer und Disziplin geschafft hat, davon zu leben. Mit diesen Eigenschaften kann jeder in der Stockfotografie bestehen und genau darum geht es in dem nachfolgenden Interview.
Lieber Robert, Du produzierst relativ viele Bilder, Du betreibst einen erfolgreichen Blog, schreibst gerade an der Neuauflage Deines Buches, hältst Vorträge und hast eine Familie. Wie schaffst Du das alles nur?
Ganz einfach, schlafen habe ich mir
schon vor Jahren abgewöhnt und ich esse auch nur noch ein Mal im
Monat. Aber im Ernst: Einfach alles der Reihe nach, dann passt das
schon mit der Zeit.
Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Als ich acht Jahre alt war, haben mir
meine Eltern eine knall-orangene Beirette SL 100 N geschenkt, eine
Kamera, die nicht mal Batterien brauchte und im Grunde nur aus einem
Auslöser und einem Rädchen zum Weiterspulen des Films bestand.
Damit habe ich einige Jahre Bilder gemacht, bis ich mir mit 15 Jahren
von meinem Ersparten meine erste Spiegelreflexkamera kaufen konnte,
damals eine Canon EOS 500. Zehn Jahre später habe ich mir die Canon
20 D als erste Digitalkamera geleistet und seitdem wurde es langsam
professioneller.
Hast du fotografische Vorbilder?
Ehrlich gesagt habe ich mich in meiner
Anfangszeit nie für Fotografen interessiert, sondern eher für
fertige Bilder, die auch aus Zeitungen und Zeitschriften rausgerissen
und damit im wahrsten Sinne des Wortes mein Zimmer mit tapeziert
habe, ohne mich um den Namen des Fotografen zu kümmern. Erst als ich
selbst Fotos verkauft habe, merkte ich, dass einige Fotografen einen
wiedererkennbaren Stil haben. Ich schätze zum Beispiel die sehr
kreativen Arbeiten von Jan von Holleben, die Weitwinkel-Editorials
von Julian Stratenschulte, die Lichtmalereien von Lichtfaktor, die
humorvollen Street-Fotografien von Friedrich Seidenstücker und so
weiter.
Wie lange hast Du gebraucht, bis Du von
der Stockfotografie leben konntest und wie hast Du finanziell die
Zeit dazwischen überbrückt?
Es hat ca. zwei Jahren gedauert, bis
ich von meinem ersten Bildverkauf Ende 2005 von diesen Einnahmen
leben konnte. In der Zwischenzeit habe ich noch zu Ende studiert und
mich mit verschiedenen Nebenjobs über Wasser gehalten, angefangen
von der Arbeit in einer Wäscherei, über Call-Center-Jobs und als
studentische Hilfskraft an der TU Berlin.
Was ist für Dich ein guter
Stockfotograf, welche Fähigkeiten bringt er mit?
Ein guter Stockfotograf muss ein Auge
für aktuelle Themen haben, er muss „den Zeitgeist fühlen“,
wissen, was modern und hip ist und verschiedene Aussagen in einem
einzigen Foto vereinen können. Fast noch wichtiger ist aber
Disziplin und gute Organisationsfähigkeit, denn im Stock-Bereich
geht es nicht um den „einen“ Zufallstreffer, der einen berühmt
macht, sondern um kontinuierliche Fertigung neuer Fotoproduktionen,
die ein gewisses Maß an Überblick und Logistik verlangen.
Du gehörst ja zu denen, die alles ganz
offen kommunizieren. Du veröffentlichst wie viel Du wo verdienst,
beschreibst, wie Du produzierst und gibst allen Fotografen mit Deinem
Buch und dem Blog viele wertvolle Tips, wie sie sich verbessern
können. Hast Du nicht Angst davor, Deine eigene Konkurrenz heran zu
züchten?
Natürlich besteht diese Möglichkeit.
Aber einerseits habe ich selbst in meinen Anfängen von den großen
Fotografen des Stock-Business viel lernen können, zum Beispiel aus
Yuri Arcurs' Blog oder vom leider eingestellten „Ron Shoots“-Blog
von Ron Chapple und es ist nur fair, wenn ich dieses Wissen
weitergebe. Außerdem ist Kommunikation ja keine Einbahnstraße und
ich bekomme im Gegenzug von vielen anderen Fotografen ebenfalls sehr
hilfreiche und praktische Tipps, die ich mir sonst mühsam
zusammensuchen müsste.
Was würdest Du einem Fotografen
empfehlen, der neu in Stock einsteigt und davon leben will?
Am Anfang sollte eine schonungslose
Selbstanalyse stehen, ob dieser fotografische Bereich der richtige
für einen ist, denn es gibt viele Fotografen, denen dieser „saubere,
fröhliche“ Stil schnell auf die Nerven geht. Danach gehört auf
jeden Fall Geduld und die Bereitschaft, schnell und viel zu lernen,
denn die Ansprüche an die technische und kompositorische
Bildqualität steigen sehr schnell.
Glaubst Du, dass es in der
Stockfotografie noch Lücken gibt oder sind alle Themen schon
besetzt?
Da gab es doch mal einen schönen
Spruch, ich glaube von Karl Valentin: „Es ist alles schon mal
fotografiert worden, nur noch nicht von jedem“. Außerdem entstehen
durch neue Moden, neue technische Geräte, neue soziale Umgangsformen
und so weiter immer neue Lücken, die gefüllt werden wollen.
Du hast Dich bisher sehr stark in
Microstock engagiert. Wäre es nicht klug, auch Macrostock zu
beliefern, damit Du von Microstock unabhängiger wirst und Dich
diversifizierst?
Ich habe ja sogar eine vierstellige
Summe an Bildern in Macrostock-Agenturen, bevor ich überhaupt bei
der ersten Microstock-Agentur hochgeladen hatte. Insofern gebe ich
Dir natürlich recht, dass es als Stockfotograf immer sinnvoll ist,
möglichst verschiedene Vertriebswege zu wählen, um unabhängiger
von einer einzelnen Agentur und Schwankungen in der Bilderbranche zu
sein. Dazu gehört eben auch eine Belieferung von Micro- und
Macrostock.
Wo siehst Du die Branche in fünf
Jahren? Werden die einzelnen Fotografen in dieser Bilderflut noch
überleben können? Siehst Du noch Wachstumspotentiale?
Ach, wenn ich das wüsste. Die guten
Fotografen, die regelmäßig brauchbare Bilder abliefern können,
werden bestimmt ein Auskommen haben, die Gelegenheitsfotografen
werden es schwerer haben.
Jetzt die letzte Frage: Wie siehst Du
Westend61?
Für mich steht Westend61 für gut
produzierte Lifestyle-Produktionen mit einem europäischen Look.
Lieber Robert, vielen Dank für das Gespräch.





Immer nett zu wissen das es noch Leute gibt die mit Stock leben könnten .
AntwortenLöschenWas müsste man im macro schaffen um langfristig das zu erreichen was Robert K. im micro verdient ?
Das machen, was Robert tut. So viele People-Produktionen wie möglich einliefern. Ich denke, wenn sie auf hohem Niveau sind, braucht man nicht ganz so viele Bilder. Wer aber so viel verdienen will wie er sollte einige tausend Bilder haben.
AntwortenLöschenIch würde mir dann eine Agentur wie Westend61 suchen, die den Fotografen bei seiner Arbeit unterstützt, denn bei uns hat man noch persönliche Ansprechpartner im Gegensatz zu riesigen Agenturen.